Das Stadion

Im Stadion erklingt folgende Musik.

Das Leben ist ein Stadion.
Du sitzt auf der Tribühne, da kommt es schon.
Rennt an dir vorbei. Auf der immer grünen Bahn.
Und du sitzt da. Weißt schon gar nicht mehr wie lange.
Aber das Leben rennt. Im Kreis. Immer und immer wieder.
Alle paar Minuten kommt es an dir vorbei. Dann spürst du es.
Seinen Luftzug. Seine Energie. Zumindest meistens.
An guten Tagen schafft es mehrere Runden. Dann winkst du ihm.
Bist stolz. An anderen Tagen, da kränkelt es. Schleppt sich nur mühsam an dir vorbei. Dann schaust du beschämt zu Boden. Im Stadion.

Vor dem Stadion steht ein alter Mann. Er wundert sich über die zwei skurillen Gestalten dort im Stadion.
Der eine läuft. Gibt nie auf. Gibt alles.
Der andere sitzt auf der Tribühne. Stumm und blass im Gesicht.
Der alte Mann wird nachdenklich. Glaubt das Stadion auch zu kennen.
Erinnert sich an seine Jugend. Seine Kindheit. An den Ausweg.
Er betritt das Stadion, schreitet langsam über das immergrüne Feld
und nähert sich der Gestalt auf der Bühne. Setzt sich neben ihn.

“Lauf! Lauf mit. Dein Leben hält nicht an. Egal, wie schnell es läuft, es läuft weiter und gibt nicht auf.
Denn das Leben ist ein Kämpfer und es will von dir mit Kraft gefüllt werden. Angefeuert werden.”

Dann verlässt der Mann ihn wieder. Im Stadion – immernoch zwei skurille Gestalten. Doch nun laufen beide. Richtung Ausgang.
Das Leben ist ein Parkour und das Stadion nur eine Station davon.

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Polaroid

Zuhören. Lesen. Traumreisen.

Ein stummes Haus. Ein Foto, da ist es drauf.
Schreit in Farben, schreit in Formen – schreit seine Geschichte heraus.
Beim schlendern über den Trödelmarkt fand ich dieses Bild.
Eine Sammlung von Informationen. Verpackt in bunte Bildpunkte.
Leicht verblasst. Das Bild, wie die Fassade.
Geheimnisvoll steht es da.

Und in meinem Kopf fangen die Pixel an sich zu verschieben.

Formen neue Bilder. Verschiedene Szenen. Verschiedene Geschichten.
Vielleicht ein Spukhaus, eine alte Tagesklinik. Vielleicht ein Tagungshaus.
Meine Blicke schweifen, greifen Phantasien aus Pixelbruchstücken.

Schon wieder neue Bilder im Kopf.

Fragmente von Horrorfilmen – Kindheitserinnerungen vermischt mit abstrusen Märchengestalten.
Sagen, Legenden, Punkte, Bildpunkte, Punkt.
Ich habe einen Punkt gesetzt.
Das Bild in den Händen. Als Objekt. Als etwas greifbares. Als einen Gegenstand des Hier und Jetzt.

Ich ♥ Polaroids.

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Der Weg

Wo du auch gehst und stehst – genieße jeden Augenblick, betrachte jedes Detail. Es geht immer nur vorwärts, niemals zurück. Jeder Moment ist einzigartig.

Und wenn du das Ende des Weges erreicht hast, dann solltest du ohne Angst durch die Tür schreiten können, die den Weg abschließt.
Bestärkt von all den schönen Momentaufnahmen, die du am Wegesrand aufgesammelt hast, solltest  du furchtlos auch diese Hürde nehmen können.

Denn es gibt kein unschönes Ende. Es gibt höchstens einen trostlosen Weg dort hin. Aber das liegt in deiner Hand, denn der Weg ist das Ziel.

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Hassliebe

Wenn ich dich wirklich brauche,
dann lässt du mich hängen.

Wenn ich wirklich müde bin,
bietest du mir den besten Platz am Boden an.

Wenn ich mal weine,
dann streikst du und willst mich nicht fortbringen.

Wenn ich es dann mal eilig habe,
dann kommst du später oder gar nicht.

Und wenn wir spät dran sind,
dann fährst du einen Gang runter.


Du kannst so dreckig sein. So hinterhältig und vor allem
so unberechenbar. Und trotzdem kann ich nicht ohne dich.

Das erinnert mich ein wenig an die Klischeebeziehungen aus dem
Nachmittagsprogramm der Privatsender. Vielleicht bekommen wir beide
ja auch mal eine Episode.
Unsere persönliche halbe Stunde Hassliebe. Öffentlich ausgetragen im TV.
Du – die Deutsche Bahn und ich.

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Wand und Kopf und Wand

Mit dem Kopf durch die Wand und mit der Wand im Kopf immer weiter.
Weiter durch das Weltgeschehen.
Verblendet, verstrahlt – sich keiner Schuld bewusst.
Ja, wie denn auch? Da ist ja schließlich eine Wand im Kopf.
Wie soll man denn da auch denken?
Und wieso sollte man denn auch gegen soetwas bequemes was tun?

Problem erkannt. Problem überrannt.
So eine Wand ist super praktisch. Damit lässt sich das ein oder andere
Problem gnadenlos überlaufen. Die Größeren geben zwar einen kurzen Ruck,
aber funktionieren tut so eine Wand auch dann.
Eigentlich eine super Erfindung so eine Wand.
Nur manchmal, dann wenn zwei Wand-Köpfe auf Frontalkurs gehen,
dann wird es echt ungemütlich. Es kracht und schmerzt. Ebenfalls gnadenlos.

Daraus folgt unweigerlich folgende Erkenntnis:
“Wand und Wand gesellt sich nicht gern.”
Und kurz denke ich an meine Maxime. Niemandem will ich weh tun oder Leid zufügen.
Es fängt an zu bröseln. Im Kopf. Nicht die Wand.
Wenn sich zwei Wände also nicht ausstehen können und eine Wand
aus Steinen besteht, dann füge ich ihr Schmerzen zu, wenn ich sie
im Frontalkurs kollidieren lasse.
Nein, das will ich nicht.

Ich nehme Abschied. Abscheid von meiner Wand. Stein für Stein zersetze ich die Wand in meinem Kopf.
Kurz bin ich wehmütig, doch dann merke ich, das eine Wand nur dort gut ist, wo sie nicht kollidieren kann.
Gebaut auf einem Boden. Starr und fest. Sie ist nicht für die Köpfe der Menschen gemacht.
Nicht dafür gedacht von Menschen getragen zu werden.
Erfreut über die neue Erkenntsnis laufe ich los.
Schreibe diese Zeilen und hoffe, damit noch mehr Wände einzureißen.
Für mehr Verständnis und weniger Kollisionen.

via [http://www.flickr.com/photos/canonsnapper/171439809/]